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Der implizite Autor

Dass der Autor eine wesentliche Rolle für sein Werk spielt, ist nun bekannt. Auch weiß ich inzwischen, dass ihn und seine Intention jeder anders wahrnimmt, da wir alle einen gewissen Handlungsspielraum bei der Interpretation eines literarischen Textes haben. Aber ehrlich gesagt habe ich mich nie mehr mit dem Autor auseinander gesetzt, weil mich bislang immer nur seine Werke wirklich interessiert haben und nicht er selbst. Anders ist dies bei Wayne C. Booth und Gerard Genette. Bei den Beiden ist die Rede von einem „impliziten Autor“. Vorweg kläre ich die Frage, was ein impliziter Autor eigentlich ist, bevor ich mich mit deren Meinung zu diesem Thema beschäftige. Und zwar ist Dieser neben dem fiktiven Erzähler und dem realen Autor eine dritte Instanz. Ihm kann man keine genaue Rolle zuweisen, denn er zählt als Gesamtbedeutung für den literarischen Text. Er spiegelt sich in dem moralischen und emotionalen Gehalt der Handlung wieder. Booth ist der Meinung, auch wenn der Autor in seinem Werk scheinbar abwesend ist, also nicht deutlich eine Position einnimmt, dass auch dann künstlerische Darstellung unmöglich sei „Er impliziert das intuitive Erfassen eines vollständigen künstlerischen Ganzen; der vornehmste Wert, dem sich dieser implizierte Autor verpflichtet fühlt, und zwar unabhängig davon, welchen Platz sein Schöpfer im wirklichen Leben einnimmt.“ (Booth, 1961, S.146 f.) Weiter schreibt Booth, dass der „implizierte Autor“ bewusst oder auch unbewusst bestimmt, was wir lesen. Er sei die Summe seiner eigenen Entscheidungen. Das heißt für mich soviel , dass wir auf der einen Seite den Autor haben, der den Text einfach niederschreibt, auf der anderen Seite einen fiktiven Erzähler, der also im Text die Rolle des Autors übernimmt und dabei natürlich ganz anders als der Autor selbst sein kann und der implizierte Autor hat somit die wichtigste Rolle für den Leser, da er derjenige ist, der uns beeinflussen kann, obwohl wir ihn gar nicht wirklich wahrnehmen. Für Genette hingegen ist kein Platz für eine dritte Instanz. Er vertritt die Meinung, dass es überflüssig sei, neben dem Erzähler und realem Autor noch vom „implizierten Autor“ zu unterscheiden. Er argumentiert: „Es gibt hier keinen Raum für die Aktivität eines Dritten, keinen Grund den realen Autor von seinen faktischen Verantwortlichkeiten zu entlasten.“ (Genette, 1983, S. 235) Unterstrichen wird seine negative Haltung zu dem implizierten Autor mit seiner Recherche nach Beispielen für einen Text, wo Dieser unabkömmlich ist. Denn dabei stellt er fest, dass der implizierte Autor ausschließlich dort vorkommt, wo der Leser vom Autor manipuliert wird. Wenn ich mir die Argumentationsweise der beiden Autoren durch den Kopf gehen lasse, komme ich ganz klar zu der Entscheidung, dass ich Booths Meinung teile. Der implizierte Autor ist unabkömmlich für einen guten literarischen Text. Es gibt nunmal etwas zwischen dem Autor, der seinen Text verfasst und dem Erzähler, der den Autor im Text „vertritt“. Irgendwer muss die beiden Instanzen verbinden und das ist der implizierte Autor. Er ist eine Art „Mittelding“, nur tiefsinniger. Denn wie bilden wir sonst unsere Meinung über den Inhalt? Weder der Autor, von dem wir ja eigentlich nichts wissen, noch der Erzählen können uns hier beeinflussen. Hier passt die Aussage: „Der „implizierte Autor bestimmt bewusst oder unbewusst, was wir lesen; wir sehen in ihm eine ideale, literarische, gestaltete Version des wirklichen Menschen; er ist die Summe seiner eigenen Entscheidungen “ (Booth, 1961, S.148 f.) Quellenverzeichnis - Booth, C. Wayne, 1961, „Der implizite Autor“ in „Texte zur Theorie der Autorschaft“ - Genette, Gerard, 1983, „Implizierter Autor, implizierter Leser?“ in „Texte zur Theorie der Autorschaft“
5.11.14 15:41


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Was will uns der Autor damit sagen..

„Was will uns der Autor damit sagen?“... Egal ob, Songtexte, Gedichte oder Buchabschnitte. Immer wieder kam die Frage nach der Aussage des Autors auf. Ob ich hierzu immer eine passende Antwort parat hatte, kann ich gar nicht genau sagen. Das liegt aber nicht unbedingt an die schwindenden Erinnerungen an den Deutschunterricht, sondern viel mehr daran, dass jeder meiner Mitschüler eine andere Meinung zu dieser Frage geäußert hat. Eines jeden Deutschunterrichts ist die Interpretation der Intention des Autors Inhalt. William K. Wimsatt und Monroe C. Beardsley schreiben in „Der internationale Fehlschluss“, dass ein Autor mit der Veröffentlichung seines Werkes das besondere Verhältnis zu ihm verliere, da es zum Besitztum der Öffentlichkeit werde. Genau das zeigt mir rückblickend mein Unterricht. Schließlich war die Aufgabenstellung passend zu der Frage nach dem Autor immer eine Analyse. Jeden gelesenen Text habe ich in Einleitung, Hauptteil und Schluss gegliedert. Jedes Symbol, jede Metapher und jede Paraphrase habe ich raus geschrieben, sie mir durch den Kopf gehen lassen, teilweise stundenlang darüber nach gedacht, was der Autor mit dem jeweiligen rhetorischen Mittel vermitteln möchte. Aber ob er selbst, seine Texte auch so gegliedert hätte und ob er wirklich den selben Sinn in meinen interpretierten Textstellen gesehen hat, weiß ich nicht. Aber darauf hatte er nun auch keinen Einfluss mehr. Die Autoren Wimsatt und Beardsley unterscheiden die Interpretation eines Textes zwischen textinternen und textexternen Hinweisen. Das Textinterne seien die Semantik und die Syntax durch unsere Kenntnis der Sprache und die Grammatik. Das Textexterne sei nicht Teil des Werkes, sondern Enthüllungen, wie und warum der Autor den Text verfasst hat. Vielleicht hilft wirklich genau das bei der Überlegung, was beispielsweise ein Gedicht aussagen soll. Aber war meine Herangehensweise deshalb falsch? Ich denke, die Interpretation eines literarischen Werks ist nunmal kein Kochrezept. Natürlich können uns die Lehrer fragen, was der Autor wohl mit seinem Werk sagen möchte. Aber das heißt nicht, dass sie Die eine Antwort bekommen werden, denn was die wirkliche Aussage ist, werden wir nie erfahren. Betrachtet man es aus der Sichtweise der Autoren des internationalen Fehlschlusses, würde man vermutlich etwas ganz anderes in die Aussage hineininterpretieren wie mein 18 jähriges Ich im Deutsch-LK. Vielleicht ist aber auch gerade Das das, was die Lehrer eigentlich von uns wollten. Eine gewisse Kreativität, eine Auge für die wirklich wichtigen Stellen und ein Interpretationsgeschick, was jeder Mensch anders entwickelt. Das würde erklären, warum wir damals teilweise mit komplett unterschiedlichen Lösungsansätzen die selbe Punktzahl für eine Interpretation bekommen haben.
28.10.14 19:38


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